Freitag, 14. August 2009

Nichtwähler sind sexy

Erklärt sich ziemlich von selbst.

Bald wollen sie uns mit Strafen drohen, sollten wir nicht zur Urne gehen und wählen. Komisch, ich dachte immer, in einer Demokratie hätte man auch die Wahl nicht zu wählen. Eine tolerante Gesellschaft muss ja auch Intoleranz tolerieren. In sich sehr paradox, aber nicht weniger moralisch wertvoll, wenn wir feststellen, dass die Freiheit der Wahl, die Nichtwahl mit einschließt. Und bedeutet das nicht erst wahre Freiheit?

Donnerstag, 13. August 2009

Ein Kaffee-Gedicht

Lieber Kaffee, ich bin's wieder,
ich bin ein wenig träge,
zusammen kleben meine Lieder,
deshalb dacht' ich fräge,

ich mal den Kaffee, den Braunen,
ob er mir was empfiehlt,
etwas tolles, was mit staunen,
meinen Müdigkeit stiehlt.

Koffein, Zitterhände,
leerer Magen schlecht,
meine Trägheit fände,
das echt Gerecht.

Und deshalb will ich munter sein,
tritt mir in den Arsch,
sieh mich an, du blödes Schwein,
du Kaffeeoligarch.

Ich brauche Energie ganz schnell,
fix muss die Brühe wirken,
dass munter ich mich hinne stell,
und Tanze unter Birken.

Nach der Arbeit natürlich,
wenn der Rausch verklingt,
und mein Tanzen kürlich,
dem Schlaf mich näher bringt.

Oh, tiefes Tal aus Koffeinentzug,
noch heute morgen, als ich nahm den Krug,
war mir wild ums Herzen,
nun tuen mir die Augen schmerzen.

Öffneteste du sie eben noch,
kleben sie nun stärker,
und alles Tunliche ist Joch,
ich armer Tagewerker.

Morgen seh'n wir uns auf's neue,
ich kann es kaum erwarten,
und wie, wenn ich es wieder reue,
wir beide in den Tage starten.

Für Kaffee.
Wir lieben dich!

Stracciatella

Müssen italienische Eisdealer eigentlich Abends weinen, weil die Deutschen den ganzen Tag über "Schtratziatella" bestellen? Ich mach das ja auch, und ich würde mich als Vertreter einer so melodiösen Sprachen ein bisschen vergewaltigt fühlen, wenn in so harschem Ton Eis bestellt würde.

Ich vermute einfach, dass sich die Deutschen für ihre italienische Aussprache schämen. Komischerweise schämt sich aber niemand, Fremdwörter derart bratzig auszusprechen.

Wenn plötzlich jemand in der Eisdiele "Stracciatella" bestellt, würden sicher Alle, die in der Schlange dahinter stehen, blöd gucken. Diese Business-Tussis, die keine Zeit haben, und diese christlichen Jugendtouristen, die sich den Dom hier anschauen und dann ein Eis bestellen. Es wird genervt geguckt, oder sich untereinander glucksende Blicke zugeworfen, weil ein Deutscher versucht Italienisch zu sprechen.

Dass weibliche BWL-Studenten in Hosenanzügen in der Mittagspause Eis kaufen gehen, erhitzt die Gemüter viel weniger. BWL-Studenten haben die Unart, sich schon während dem Studium so zu kleiden, als wären sie Vorstand von VW. Rosa Hemden mit hochgestelltem Kragen, die Weiber im Businesslook und ständig wird eine Aktentasche über den Campus getragen, weil man sich zu fein ist, die Hausaufgaben in einer Umhängetasche zu transportieren. Die sind so important, dass sie auch immer am mobilen Telefon hängen, und sich, während sie Schtratziatella bestellen, mit Leuten verkrachen.

So Leute sind dann auch leicht genervt, wenn man ihre Zeit verschwendet, mit Eis auf italienisch bestellen.

Reales Paradies - North Island

Gestern lief bei 3Sat eine Doku über ferne Länder und ferne Menschen, fernab des deutschen Alltags. Wenn ich selber da wäre, gäbe es so ein Programm gar nicht, weil es dann nahe Länder wären und man sich sparen könnte über das Panorama vor der Haustür zu berichten.

Bin ich aber nicht. Also schaue ich 3Sat, und da kam gestern ein Bericht aus den Seychellen, besser gesagt aus der kleinen Insel "North Island" heraus; immanente Selbstdarstellung. Aber man nimmt es der tollen Insel nicht übel, dass sie so mit ihrem Luxus kokettiert.

North Island ist eine Privatinsel, auf der es 11 Villen gibt, die sich alle einen privaten Abschnitt Strand teilen, und gute 20.000€ in der Woche kosten. Es ist also ein kostspieliger Urlaubt, der allerdings der Insel selbst zu Gute kommt, und das umfassende Naturschutzprogramm finanziert.

Toll ist auch, dass man sich bestellen kann was man will. Egal was man essen möchte, die machen es einem. Dafür haben sie sooooon riesen Kühlschrank, in dem so ziemlich alles vor sich hinkrebst und vegetiert. Es gibt kein Menü, keine Karte. Nur die eigene Phantasie ist gefragt, und das zu jeder Tageszeit. Das is schon sehr dekadent. Ich würde trotzdem gerne mal hin fahren.

Das erinnert mich an die Sendung "Fahr mal hin", die meines Erachtens nach auch über North Island berichten sollte, um mir die Entscheidung quasi abzunehmen; Wenn so eine Sendung einem tolle Urlaubsparadiese präsentiert, und gleichzeitig suggeriert, dass man doch mal hinfahren könnte, was hält mich als Zuschauer dann noch davon ab? Außer 20.000€?

Wenn es Gott gäbe, würde er dort wohnen, bzw. Urlaub machen, wenn ihm die Ewigkeit mal wieder zu öde würde.

Der Himmel auf Erden. Was übrigens eine findige Metapher ist, weil Himmel und Erde niemals eine Einheit sein können, sondern immer sichtbar getrennt von einander auftreten. Da haben sich die religiösen Figuren wirklich angestrengt eine Metapher zu erfinden, die so deutlich sagt, dass auf der Erde alles Scheiße is, das man glatt in Ehrfurcht erstarrt. Aber wenn metaphernkundige Wüstenmenschen North Island vor 2000 Jahren schon gekannt hätten, vielleicht wäre ihnen der Vergleich nicht ganz so leicht aus der Feder geflossen.

Der schönste Teil von North Island ist aber das Innland, wo die Angestellten des Hotels wohnen; da stehen Palmenhaine, wie aus dem Bilderbuch. Wenn hier kein Intelligent Design dahinter steckt, dann weiß ich auch nicht.

Hier muss man nicht sterben um hinfahren zu dürfen, und trotzdem ist alles so ein bisschen göttlich, ohne zu sehr religiös zu werden. Also fahr mal hin!



*Nachtragsgedanke, grade auf dem Klo gekommen:

Die Athmosphäre, die wir ja als Himmel bezeichnen, liegt so gesehen ja "auf" der Erde auf, quasi der Himmel auf Erden. Insofern ist jeder Tag schon paradiesisch. Außerdem hält das Schwerkraftfeld der Erde den Himmel davon ab, ins All abzudriften. So gesehen hält die Erde also erst den Himmel am Platze, sprich würde es ohne Menschen, die sich den (religiösen) Himmel vorstellen, überhaupt einen geben? Und wenn es Kinderpornoseiten gibt, aber niemand sie ansehen kann, hat es sie dann wirklich gegeben??

It's a gay unicorn everybody!

Ich hätte auch nicht auf die Arche gewollt - zu rustikal

Dummer Messerschmied

Bei Galileo wurde grade Michael Dummer, seines Zeichens Messerschmied, zum Kauf von qualitativ hochwertigen Messern als Berater hinzu gezogen. Dabei fiel mir auf, das wir uns wieder viel öfter über lustige Nachnamen amüsieren sollten.

Haha, Dummer!

Das geheime Schreibtischland

Ich habe jetzt seit 314 Tagen nicht mehr bei mir hinterm Schreibtisch gesaugt. Genauer gesagt seit dem 3. Oktober 2008, an dem ich in meine neue Wohnung gezogen bin.

Ritzen, wie die zwischen Wand und Schreibtisch, sind für mich generell vernachlässigbar. Aber nicht, weil mir das irgendwie Spaß macht, sondern weil die Säuberung immer mit soviel Aufwand verbunden ist. Ich muss dann meinen PC wegräumen, die Schubladen leeren, das Teil rüber schieben und dann muss ich mich auf alle Viere verlassen und wie ein devotes Hausfräulein die Teppichleiste swiffern.

Das wäre auch noch kein Problem, ich kann mich ja ganz toll anpassen, wenns auch mal so um Arbeit geht und so, aber eine Sache treibt mich in Ekel hinfort von hinterm Schreibtisch:

Spinnen.

Garstige Spinnen, die in meiner Wohnung residieren und sich in Zimmerecken und Lampenschirmen vernetzen. Weil Spinnen so nomadisch veranlagt sind, hat man selbst mit nur einer Spinne im Haus, nach spätestens 2 Wochen, schon wieder 4 verlassene Netze rumfliegen. Manche sind architektonisch beeindruckend, andere baumeln von der Decke, und wiegen sanft im Winde. Das sind dann fast therapeutische Anblicke, aber trotzdem muss das Zeug weg.

Ich traue mich ja teilweise nicht mal mehr aus der Wohnung, weil im Hausgang dermaßen viele Spinnen - meist dünne aber eine besonders fleischige - sitzen, und mir eine davon neulich glatt ein Netz quer über die Haustür gesponnen hat. Wenn man morgens schon beim verlassen der Wohnungstür Spinnenfäden im Gesicht hat, dann ist der Tag verloren. Danach kann nur noch das Unheil daher gestöckelt kommen und einem gefühlskalt in die Eier treten. So schlimm wars dann nicht, aber theoretisch wäre das möglich gewesen.

Was mich also zu meinem Schreibtisch zurück bringt. Ich befürchte, dass sich dahinter irgendwann einmal zwei Spinnen einnisten, die sich auf den ersten Blick so total sympathisch sind und dann Spinnensex miteinander machen. Also ... jetzt wollte ich Spinnensex erklären, ich weiß aber nicht wie das geht. Es mag sich jeder selbst vorstellen. Jedenfalls würden die dann hinter meinem Schreibtisch ein Nest bauen, ein großes, rundes, cocon-ähnliches Gewirr aus Seidenfäden, in dem, zu tausenden, neue Spinnen heranwachsen. Wie im Film "Arachnophobia". Und Nachts würde das Nest dann mit einem Knacken aufbrechen, und sich eine Horde hungriger, kleiner Biester auf den Teppich ergießen. Da bin ich hoffentlich im Schlafzimmer und hab die Tür zu.

Nur komme ich dann nicht mehr an mein Telefon, und muss vermutlich aus dem Schlafzimmerfenster klettern. Da macht sich Parterre nochmal bezahlt.

Darüber denke ich Nachts nach, wenn ich nicht schlafen kann. Und ich versuche dann wenigstens mit dem Staubsauger so weit unter den Schreibtisch zu kommen, wie es die Querverstrebung zulässt, auf der mein Drucker vor sich dahinstaubt und an der ich mir immer die Knöchel blutergüssig stoße. Dabei erwische ich gefühlte 50% Schmutz;

Ein Teil wird eingesaugt, den Anderen schiebe ich noch weiter rein. Ab und an fallen mir auch mal leere Blätter hinter den Schreibtisch. Eine Haselnuss, ein Seidenbeutel, die Plastikverpackung von Tempotaschentüchern und ein grüner, wasserfester CD-Marker. Eine Rosine auch schon. Vom Studentenfutter. Dekoriert wäre es auf jedenfall, und vielleicht verscheucht die Vibration vom anditschenden Staubsauger die Tierchen ja. *dock dock*